Susanne Kaiser

Projekt: Kindliche Freuden

Ort: Leipzig, Lützner Straße/ Odermannstraße

Zeitraum: 12.-31.10.2013

 

Der Textbanner von Susanne Kaiser hängt an einer Kreuzung zweier stark frequentierter Straßen in Leipzig, Ecke Lützner Straße – Odermannstraße. Schräg gegenüber befindet sich ein Waffen & Army Shop. Zur dessen Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung knüpft Susanne Kaisers Textarbeit inhaltliche Bezüge. Das umfangreiche Sortiment des Geschäftes wird auf wenige Schlagworte, wie Sport & Security, Ranger & Militär etc. reduziert. Dem Außenbetrachter suggeriert diese Begriffseinengung wie -konnotation ein verharmlosendes Adventure-Erlebnis. So wird durch die Voranstellung des Wortes Ranger, in seinen komplexen Bedeutungsinhalten, das Wort Militär positiv und unkritisch an die Freiheitsassoziation des Rangerbegriffes angelehnt. Mit dieser assoziativen Nähe wird Militär auf Abenteuer- und Naturerlebnis reduziert. Das verharmlost, denn beide Definitionen stehen sich diametral gegenüber: Militär bedeutet nicht Freiheit, sondern Hierarchie, Befehl und Zwang, Zerstörung usw.

Eine ähnliche unreflektierte, beschönigende Einstellung findet sich in zugespitzter Weise auch im Text auf dem Banner „kindliche Freuden“. Im zugrunde liegenden realen Ereignis erwartet ein Kind nach Beginn des Sirenenalarms freudig und naiv das Eintreffen der Bomber. Lauscht dem dröhnenden Motorengeräusch, ist überwältigt vom Lärm und Anblick der über ihn hinweg ziehenden Flugzeugverbände. Das später die nahe Stadt brennt, dort Menschen getötet, verstümmelt oder obdachlos werden, wird in der kindlichen Wahrnehmung zur Nebensache.