Workshop

Herzliche Einladung zu unserem öffentlichen Workshop!

Vom Kratzen an den Geschichten: Alternativen zu aktuellen Erinnerungsregimen zwischen Konflikt und Vergessen

am 25.10.2013, 13-20.30 Uhr

Center for Area Studies, Thomaskirchhof 20, Leipzig

Programm:

13:00–13:30 Begrüßung

13:30–15:00 PANEL 1

Erinnerungskultur und Identität. Potentiale und Grenzen der Auseinandersetzung
städtischer AkteurInnen.
Claudia Jerzak, Dresden

Rituale der Erinnerung. Lichtfest Leipzig.
Torben Ibs, Leipzig

Alternatives Erinnern an Rassismus in der BRD.
Rebecca Forner, Berlin

15:00–15:20 Pause

15:20–16:50 PANEL 2

Zwischen Fakten und Fiktionen: Zum aktuellen Umgang mit antifaschistischen Denkmalen in Kosovo.
Jane Felber, Leipzig

Formen des Kriegsgedenkens in der rezenten südkoreanischen Gesellschaft am Beispiel des War Memorial of Korea in Seoul.
Sandra Kessler, Mainz

16:50–17:30 Pause

17:30–19:00 PANEL 3

„… endlich auch der Aktivposten der Zeitgeschichte gedenken.“ Aktuelle Tendenzen der offiziellen bundesrepublikanischen Gedächtnispolitik.
Cornelia Siebeck, Berlin

Die Varusschlacht als Kontroverse? Erinnerungskulturelle Traditionen und Transformationen eines deutschen Mythos im Jubiläumsjahr 2009.
Jonathan Roth, Mainz

19:00–19:30 Pause

19:30–20:30 PODIUMSDISKUSSION

Über den Sinn der Sinnstiftung: Funktion, Wandel und Alternativen im Umgang mit Erinnerungsorten.

Mit Martin Baumert (Historiker) Stefan Kausch (Projektkurator “fireworks & smokebombs”), Cornelia Siebeck (Historikerin), Tobias Rost (bildender Künstler/Bildhauer/Kunstpädagogik-Dozent).

Inhalt der Tagung:

Erinnerungsexzess in Leipzig
Wir möchten vor dem Hintergrund des diesjährigen Leipziger Erinnerungsmarathons den Fokus von Völkerschlacht und Völkerschlachtdenkmal erweitern und uns fragen, wie und wo in anderen Formen an Krieg und Gewalt erinnert wird. Denn beim Umgang mit der Völkerschlacht und dem aktuellen Jahrestag in Leipzig lässt sich die offizielle Erinnerungspolitik der Stadt Leipzig auf drei Ideen zuspitzen: Dieses Erinnerungsregime wird produziert als Trias von erstens Kommerzialisierung, zweitens „Jubilisierung“, sprich der Fortsetzung der nationalen Traditionslinie von Umdeutung des Erinnerns an Krieg und Leid in eine Jubiläumsfeier, sowie drittens die offiziellen Bestrebungen einer Umdeutung des aus nationalistischem und kriegsverherrlichendem Geist errichteten Denkmals zu einem europäischen Friedensmahnmal.

Andere Erinnerungsregime betrachten
Wir wollen unseren Blick auf andere Orte und Zeiten von Erinnerungsregimen richten: Wie funktioniert beispielsweise Erinnerungspolitik in Namibia oder Südafrika vor dem Hintergrund kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart? Wie gestalten sich Brüche und Kontinuitäten der Erinnerungspolitik auf dem Balkan? Wie können in Museen neue und zusätzliche Geschichten in die offizielle Geschichtsschreibung einfügen? Wie wird aktueller neonazistischer und rassistischer Gewalt in der Bundesrepublik gedacht, gerade vor dem Hintergrund der Taten des NSU?

Gerade der Blick hinaus über die Schlacht und das ihr gewidmete Denkmal sowie seinem aktuellen Jubiläums- und Erinnerungsexzess erscheint uns notwendig, darüber zu diskutieren und zu verstehen, wie Erinnerungsregime in Leipzig und anderswo erzeugt werden und wie sie wirken. Nicht zuletzt möchten wir den Fokus darauf richten, wo ihre jeweiligen gesellschaftlichen und geschichtspolitischen Fallstricke liegen.

Besonders in Gesellschaften, in denen starke Transformationsprozesse, Kriege oder globale Machtstrukturen zu beobachten sind, ist auch eine Neubestimmung des offiziell gelenkten Erinnerns im Zuge einer Neuausrichtungen der erinnerungspolitischen Auseinandersetzungen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vermuten. Diese sollen einer genaueren Betrachtung unterzigen werden.

Wie wird Erinnerung in diesen Gesellschaften neu definiert und was geschieht mit den alten Definitionen? Wer sind die Akteure und wie gestalten sie diese neuen Erinnerungsregime? Gibt es Ausschluss und Homogenisierung, Verschweigen und Verdrängung, Desinteresse, Diversität? Lassen sich neue Auseinandersetzungen um und mit der Geschichte herausdestillieren? Wer wird aus welchen Gründen und mit welchen Strategien aus den offiziellen Erinnerungsritualen ausgeschlossen bzw. verdrängt?

Das Kolloquium möchte sich vor diesem Hintergrund u. a. mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie sieht ganz konkret die aktuell vorherrschende Erinnerungspolitik des Leipziger Erinnerungsregimes aus?
  • Wenn mit dem Begriff „Kontestation“ Interpretationen von Geschichte und Erinnerung gemeint sind, die Geschichtskontroversen fördern statt verhindern: Wie lassen sich Erinnerungsregime unter dem Stichwort „Kontestation“ (Claus Leggewie) denken und umsetzen?
  • Wie funktionieren Erinnerungsregime in Transformationsgesellschaften?
  • Wie können alternative Formen der Geschichtserzählung, bspw. bei Denkmalen, Gedenkstätten und Museen ein- und umgesetzt werden?
  • Welchen Mehrwert können ergänzende Geschichtsschreibungen und Präzisierungen in der Nutzung von Topoi wie „Geschichte“, „Erinnerung“ und „Vergangenheit“ als aufeinander bezogene,aber trotzdem unterschiedliche Begriffe leisten und welche Strategien der Anwendung sind denkbar?
  • Lassen sich darauf aufbauend ergänzende Geschichtsschreibungen in vorherschenden Erinnerungsregimen oder konkreten Institutionen überhaupt durchsetzen?

In dem Workshop präsentieren und diskutieren Forscher_innen aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, sowie Journalist_innen und Künstler_innen die sich in ihrer aktuellen Projekten und Forschungen mit diesen Fragestellungen beschäftigen.

Anmeldung

Wir bitten um Anmeldung unter: projekt2013[at]engagiertewissenschaft.de

Die Teilnahme ist kostenlos. Der Workshop ist öffentlich.Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Der Workshop ist Teil des interdisziplinären Projekts „fireworks & smokebombs – 1813_1913_2013: Erinnerung, Kunst, Kontroversen“.

Den Call for Papers zur Tagung finden sie hier: CfP_Tagung_130904